Lass dir deine Berufung bestätigen

Eine Berufung braucht zweimal ein Ja.

Das ist kein bürokratischer Doppelcheck. Es ist das Fangnetz, das dich davor schützt, einem bloßen Gefühl auf den Leim zu gehen – oder dem Schmeicheln, das eine Anfrage von außen manchmal auslöst.

Ich selbst habe das erlebt. Ich war über elf Jahre Mitglied im Verband Christen in der Wirtschaft. Als die Anfrage kam, ob ich in den Vorstand für ganz Deutschland eintreten solle, war meine erste Reaktion: Was soll denn das jetzt? Was kann ich dort mit meinen Gaben und Erfahrungen wirklich beitragen? Mein Selbstbild an dieser Stelle war deutlich kleiner als das, was andere in mir sahen. Dann sagten mehrere Menschen unabhängig voneinander: Wir haben den Eindruck, du solltest das tun. Und langsam wuchs in mir Frieden darüber. Das war das zweite Ja.

 Was steckt dahinter

Das erste Ja kommt von innen. Es ist kein Wollen aus Ehrgeiz, aus dem Wunsch nach Anerkennung oder um etwas zu beweisen. Das wäre zu wenig. Das erste Ja zeigt sich darin, dass in deinem Herzen Frieden wächst – eine innere Sicherheit, die sich anfühlt wie: Das bin ich. Das ist meins. Nicht Aufregung, nicht Begeisterung allein – sondern ein stilles, immer deutlicher werdendes Ja.

Das zweite Ja kommt von außen. Vom Ehepartner, wenn es eine einschneidende Veränderung ist. Von einem erfahrenen Freund, der dich wirklich kennt und dem es auf dem Herzen liegt, dass du den richtigen Weg gehst. Nicht von jemandem, der dir nach dem Mund redet – der nützt dir hier gar nichts. Dieser äußere Bestätiger muss die Freiheit haben, auch Nein zu sagen.

In einem stillen Moment ist mir einmal ein Satz in den Sinn gekommen, den ich in mein Tagebuch geschrieben habe: Wenn wir nicht den Weg gehen, der für uns vorbereitet ist, werden wir niemals an den Türen ankommen, die heute bereits offen stehen.
Ich habe das viele Male erlebt: Wenn ich treu einen Weg gegangen bin, standen Türen auf, von denen ich nicht wusste, dass sie schon offen waren. Der Weg führte mich schließlich in einen internationalen Vorstand mit Sitz in den USA – etwas, das nie in meinen Gedanken war. Deshalb: Wenn das zweifache Ja da ist, geh vorwärts. Ohne Plan B.

 Typische Stolpersteine

Ein häufiger Fehler ist, das erste Ja mit Begeisterung oder Ehrgeiz zu verwechseln. Wenn der Antrieb hauptsächlich aus dem Wunsch kommt, etwas zu beweisen oder endlich Anerkennung zu bekommen, ist das kein sicheres Fundament für eine neue Berufung.

Ein zweiter Stolperstein ist, das zweite Ja von jemandem zu holen, der ohnehin immer zustimmt. Der äußere Ratgeber muss echt sein – mit der Freiheit, auch klar Nein zu sagen. Sonst ist das Fangnetz wirkungslos.

 So setzt du es um

Gibt es eine neue Richtung in deinem Leben, über die du nachgedenkst? Dann stelle dir heute ehrlich die Frage: Woher kommt dieses Ja in mir – aus echtem inneren Frieden oder aus Ehrgeiz, Stolz und dem Wunsch nach Anerkennung?
Prüfe: Wächst in dir Frieden über diese Richtung – ruhig, beständig und tiefer werdend? Oder ist es eher Aufgeregtheit, die sich wieder legt? Das ist ein wichtiger Unterschied.
Suche das Gespräch mit einem Menschen, dem du wirklich vertraust – deinem Ehepartner, einem erfahrenen Freund. Nicht um Zustimmung zu bekommen, sondern um ehrliches Feedback. Stelle die Frage offen und höre wirklich zu.
Wenn beide Ja da sind: Verbrenne die "Boote" für eine Umkehr. Kein Plan B. Wer eine Hintertür offen lässt, gibt nie seine volle Energie hin.

© 2026 Frank Suchy - Verlag Business Gestalten | Impressum | Datenschutzerklärung | Cookie-Richtlinie (EU) |Kontakt |AGB