Nutze das Gesetz von Saat und Ernte

Naturgesetze wirken immer – unabhängig davon, ob man an sie denkt oder nicht. Das Gesetz der Schwerkraft zum Beispiel: Wenn ich einen Gegenstand zu weit über den Tischrand schiebe, fällt er. Ob ich gerade daran denke oder nicht. Ob er teuer oder billig ist, spielt keine Rolle. Das Gesetz wirkt.

Genauso wirkt das Gesetz von Saat und Ernte. Immer. In jede Richtung.

Der Apostel Paulus schreibt es seinen Freunden in Galatien klar: Irrt euch nicht – Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Das ist kein frommer Wunsch. Das ist ein Naturgesetz des geistlichen Lebens – und es wirkt, ob man daran glaubt oder nicht.

 Was steckt dahinter

Jeder Gedanke, den du denkst, ist ein ausgestreuter Samen. Jedes Wort, das du aussprichst, ist ein ausgestreuter Samen. Jede Handlung, die du tust, ist ein ausgestreuter Samen. Das heißt: Wie ich morgens aufstehe und in den Tag hineingehe, prägt, was mir an diesem Tag begegnet. Wer morgens mit Erwartung startet – was werde ich heute erleben, wem werde ich begegnen, was können wir bewegen – der geht anders in die Begegnungen hinein als derjenige, der denkt: Ach, muss ich wieder aufstehen, wer weiß was mir heute wieder begegnet.

Ich selbst gehe üblicherweise morgens durch alle Abteilungen, begrüße meine Mitarbeiter, frage kurz, wie es geht, mache einen kleinen Scherz. Das tue ich bewusst. Aber es kann auch passieren, dass ich in Gedanken schon einen Schritt weiter bin – eine E-Mail im Kopf, die noch zu beantworten ist – und dabei  einen Mitarbeiter einfach übersehe. Ohne es zu wollen. Der Mitarbeiter denkt sofort: Was ist mit dem los? Der kann mich wohl nicht leiden. Und in der Dienstberatung später widerspricht er einem meiner Vorschläge – ohne dass er selbst weiß, warum. Ich ernte etwas, weil ich am Morgen keinen guten Samen gesät habe. Das ist das Gesetz von Saat und Ernte. Auch in seiner negativen Richtung.

Die wichtigste Währung in der Wirtschaft ist aus meiner Sicht nicht der Euro. Der Euro ist eine Verrechnungseinheit und kann eines Tages crashen. Die wirkliche Währung ist Vertrauen. Ich bin überzeugt: Sollten wir je eine große Wirtschaftskrise erleben, könnte ich viele meiner Hauptlieferanten anrufen und sagen: Ich brauche Material, ich weiß noch nicht genau, wie und wann wir das verrechnen – aber wir finden einen guten Weg. Und ich bin überzeugt, sie machen das mit. Nicht weil ich das verlangen könnte, sondern weil über Jahre Vertrauen gesät wurde.

 Typische Stolpersteine

Ein häufiger Fehler ist, sich im Unternehmen ausschließlich auf das Geldverdienen zu konzentrieren, statt auf das Dienen. Wer ständig an der Ernte zieht, bekommt nichts. Erst kommt das Dienen – dann kommt das Verdienen. Das ist keine romantische Vorstellung, sondern das Gesetz, das ich über Jahrzehnte in meiner eigenen Firma erlebt habe.

Ein zweiter Stolperstein ist Ungeduld. Das Gesetz von Saat und Ernte wirkt nicht von heute auf morgen – anders als das Gesetz der Schwerkraft. Deshalb wird es von so vielen unterschätzt. Wer nur auf die nächste Ernte schaut, wird diesen Mechanismus nie nutzen. Wer langfristig sät, erlebt Früchte, die er sich vorher nicht vorstellen konnte.

 So setzt du es um

Prüfe heute: Welchen Samen säst du täglich in deinem Unternehmen aus – in deinen Gedanken, Worten und im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden? Schreibe drei konkrete Beispiele auf. Was davon ist guter Samen?
Wähle morgen früh eine Person in deinem Unternehmen, die du bewusst begrüßt, aufbaust und ermutigst. Nicht als Führungsritual – sondern als bewusstes Aussäen von gutem Samen. Beobachte, was du in den nächsten Tagen zurückerntest.
Denke an eine geschäftliche Beziehung zu einem Kunden oder Lieferanten, in die du schon lange investierst. Könntest du diesen Menschen in einer Krise anrufen und auf das aufgebaute Vertrauen zählen? Wenn nicht – was musst du noch säen?
Schreibe auf: Was wird die Frucht deines Lebens sein? Was soll aufwachsen? Diese Frage ist unbequem – und genau deshalb so wertvoll.

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