Entfalte neue Gewohnheiten

Ich war früher sehr stressempfindlich. Das gehört zur Wahrheit über mich, die ich gern offen sage, weil sie hilft zu verstehen, was die Diamanten-Strategie bewirkt hat – und weil ich weiß, dass ich damit nicht allein bin.

Ich habe über die Jahre zwei Typen kennengelernt, die man als stressresistent bezeichnen könnte. Der erste Typ plant gut, organisiert seinen Arbeitsbereich hervorragend – und erlebt Stress deshalb nur noch als temporäres Phänomen, nicht als Dauerzustand. Der zweite Typ lässt einfach alles laufen. Er scheint gelassen. Aber das ist eine Zeitbombe. Irgendwann merkt das Umfeld, dass er nicht wirklich verantwortungsvoll handelt.

Der erste Typ ist das Ziel. Und der Weg dorthin führt über drei Tugenden, die in unserer Zeit selten geworden sind.

 Was steckt dahinter

Die erste Tugend ist Selbstdisziplin. Das klingt hart – und ist es manchmal auch. Es bedeutet: Du richtest dein Verhalten so aus, dass du geplante Aufgaben tatsächlich erledigst. Du verlässt die Komfortzone. Du verzichtest heute auf Bequemlichkeit, weil du weißt, wo du in einem Jahr stehen möchtest. Das ist keine Frage der Motivation – Motivation schwankt. Das ist eine Entscheidung.

Die zweite Tugend ist Ausdauer. Sie bedeutet, die Auswirkungen des heutigen Handelns in der Zukunft zu sehen und deshalb dranzubleiben. Jeden Abend die Frage zu stellen: Hat mich dieser Tag meinen Zielen einen Schritt näher gebracht? Nicht: Habe ich viel gearbeitet? Nicht: Habe ich alle E-Mails bearbeitet? Sondern: Bin ich vorwärts gegangen – in die Richtung, die ich mir vorgenommen habe?

Die dritte Tugend sind hilfreiche Gewohnheiten. Und hier wird es konkret. Bei mir ist es die Morgenroutine: Die B-Aufgaben – die wichtigen, aber nicht dringenden Dinge, die immer hinten runterfallen – erledige ich morgens bis zur Frühstückszeit. Dann weiß ich: Das Wichtigste des Tages ist getan. Alles andere kann kommen. Dazu kommt: E-Mails maximal zweimal täglich checken. Qualitätszeit mit der Familie. Bewegung und Sport. Ausreichend Schlaf. Diese Dinge sind keine Luxusthemen – sie sind die Grundlage, auf der alles andere steht. Was du fokussierst, wächst. Was du aus dem Blick verlierst, rutscht weg.

 Typische Stolpersteine

Ein häufiger Fehler ist, gute Gewohnheiten als Ansammlung von guten Vorsätzen zu behandeln – also sie sich vorzunehmen, ohne sie sofort zu etablieren. Gewohnheiten entstehen nicht durch Wollen, sondern durch konsequentes Tun über einen ausreichend langen Zeitraum.

Ein zweiter Stolperstein ist, alte Gewohnheiten zu ignorieren statt aktiv abzulegen. Es hilft nicht, neue Gewohnheiten oben draufzuschichten, wenn die alten – ständige E-Mail-Verfügbarkeit, reaktives Arbeiten, das ewige Aufschieben der wichtigen Dinge – unverändert weiterlaufen.

 So setzt du es um

Identifiziere heute eine einzige neue Gewohnheit, die dich in den nächsten 90 Tagen am stärksten nach vorn bringt. Nicht fünf. Eine. Und fange morgen damit an.
Führe ab dieser Woche eine wöchentliche Überprüfung ein – 30 Minuten, freitagnachmittags oder montags früh: Welche meiner Ziele habe ich in dieser Woche voranbewegt? Wo bin ich abgedriftet? Was nehme ich mir für die kommende Woche konkret vor?
Benenne eine alte Gewohnheit, die dich bremst. Vielleicht ist es das ständige E-Mail-Checken, das reaktive Arbeiten oder das Aufschieben der kreativen Arbeit zugunsten des Operativen. Und entscheide heute: Diese Gewohnheit lege ich ab.
Schütze die erste Stunde des Arbeitstages für deine wichtigste Aufgabe. Nicht für E-Mailbearbeitung, Gespräche oder Telefonate. Für das, was wirklich zählt.

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