Gestalte eine innovative Firmenkultur

Was ist die wichtigste Aufgabe des Unternehmers? Nicht in den Prozessen zu arbeiten, nicht am Produkt – sondern am Unternehmen. Und diese Arbeit hat zwei Schwerpunkte: Innovation und Marketing.

Ich habe vor einiger Zeit einen Satz gehört, der mich seither begleitet: In der Zeit, in der wir leben, kämpfst du nicht gegen deine Berufskollegen. Du kämpfst gegen die Zeit. Wer stehen bleibt, fällt zurück. Nicht weil der Wettbewerber schneller war – sondern weil die Welt sich weitergedreht hat.

Das klingt abstrakt. Es ist es nicht. Ich werde es konkret machen.

 Was steckt dahinter

Innovation geht in zwei Richtungen. Nach außen: neue und verbesserte Produkte und Dienstleistungen. Wir haben bei uns im Haus Nischen identifiziert, die andere nicht besetzen wollen oder können. Wir fertigen mechanische Druckmessgeräte im Bereich von 2,5 Millibar – ich sage das gern so: Das ist ein Fliegenpups, mehr ist das nicht. Und wir liefern diese Geräte nach China. Das klingt paradox. Aber genau das ist der Punkt: Massenhersteller interessiert diese Kleinmenge nicht, uns schon. Auf der anderen Seite liefern wir Drucksensoren mit 1600 Bar – ebenfalls nach China. Nische nach oben, Nische nach unten. Das ist unser Terrain.

Innovation nach innen – und das wird häufig unterschätzt – bedeutet ständige Verbesserung der Abläufe, Informationsflüsse und Schnittstellen. Wo geht Zeit verloren, weil unklar ist, wer was an wen kommuniziert? Wo entstehen Suchzeiten, weil Dinge nicht klar abgelegt sind? Wo reibt es zwischen Abteilungen, weil die Übergaben nicht sauber definiert sind? Solche Dinge lassen sich immer verbessern. Immer. Und die richtige Frage ist nicht: Wie holen wir mehr aus der Abteilung raus? – sondern: Wie können wir eure Arbeit erleichtern? Das ist ein fundamentaler Unterschied. Den ersten Satz hören Mitarbeiter als Druck. Den zweiten als Einladung.

Beim Marketing denke ich in vier Stufen. Die Zielgruppe kennt dich. Sie kennt dein Produkt. Sie kommt mit dir in Kontakt. Sie vertraut dir. Messen werden rückläufiger. Das Internet ist heute das entscheidende Medium – zumindest in unserem Bereich der Industriemesstechnik. Wir haben auf unserer Webseite mein Kalibrierbuch zur Druck- und Temperaturmesstechnik als Hardcover und als kostenloses eBook angeboten. Wer das eBook herunterlädt, gibt seine E-Mail-Adresse an. Er bekommt eine Bestätigung, dann zwei Follow-up-E-Mails – ob der Download funktioniert hat, ob wir sprechen können, wann. Das ist ein einfacher Verkaufsfunnel. Der schläft nicht. Der arbeitet auch nachts. Und wer Spezialist in einer Nische ist, dem öffnen sich darüber hinaus Türen zu Standardprodukten – weil der Kunde nach einer guten Erfahrung sagt: Von euch nehme ich auch den Rest mit.

 Typische Stolpersteine

Ein häufiger Fehler ist, Innovationen immer nach außen zu suchen – neue Produkte, neue Märkte, neue Zielgruppen – und dabei zu übersehen, wie viel Potenzial noch in der Optimierung interner Abläufe steckt. Das ist oft günstiger, schneller und wirksamer.

Ein zweiter Stolperstein ist Marketing als Pflichtübung zu behandeln, statt es als strategisches Werkzeug zu nutzen. Wir leben in einem gesättigten, informationsüberschwemmten Markt. Sichtbarkeit ist keine Eitelkeit. Sie ist der Zugang zu neue Kunden.

 So setzt du es um

Stelle deinen Mitarbeitern in dieser Woche in einer Ihrer Abteilungen die Frage: Wie können wir eure Arbeit erleichtern? Nicht als rhetorische Frage, sondern als echte Einladung. Schreibe auf, was kommt.
Schreibe auf, wo in deiner Branche eine Nische ist, die du besetzen könntest – eine Anforderung, die andere nicht erfüllen wollen oder können. Überlege, ob das für dich wirtschaftlich, fachlich und emotional stimmig ist.
Überprüfe, wie ein Interessent dich heute im Internet findet. Suche nach dem, was dein Kunde suchen würde – und schau, ob du auftauchst. Wenn nicht: Was ist der erste Schritt, das zu ändern?
Baue einen einfachen Funnel auf: Biete deiner Zielgruppe etwas Nützliches kostenlos an – einen Leitfaden, ein Checkliste, ein kurzes Video. Sammle E-Mail-Adressen. Und schreibe zwei Follow-up-E-Mails, die zum Gespräch einladen.

© 2026 Frank Suchy - Verlag Business Gestalten | Impressum | Datenschutzerklärung | Cookie-Richtlinie (EU) |Kontakt |AGB