Bringe die Unternehmensstruktur mit deiner Berufung und deinen Visionen in Übereinstimmung

Es gibt einen Typ von Problem, der in Unternehmen besonders hartnäckig ist: Fehler, die immer wieder passieren. Nicht weil die Mitarbeiter schlecht sind. Nicht weil niemand aufpasst. Sondern weil das System darunter nicht stimmt.

Ein Auftrag rutscht durch, weil unklar ist, wer ihn nachverfolgt. Ein Kunde bekommt keine Rückmeldung, weil jeder dachte, der andere kümmert sich darum. Eine Reklamation wird spät bearbeitet, weil die Zuständigkeit nie klar geregelt wurde. Das sind keine menschlichen Versagen. Das sind Systemfehler.

Und Systemfehler löst man nicht durch Ermahnung. Man löst sie durch Klarheit.

 Was steckt dahinter

Wenn das Unternehmen strukturell klar aufgebaut ist – Tätigkeiten erfasst, Verantwortlichkeiten geregelt –, gibt es einen dritten Schritt, der oft übersehen wird und der besonders viel Mut erfordert: Den Abgleich zwischen der Unternehmensstruktur und deiner persönlichen Berufung und Vision. Das klingt zunächst nicht nach einem Werkzeug gegen Fehler. Aber es ist genau das.

Ich habe erlebt, wie in Unternehmen sogenannte Montagsaffen durch die Firma laufen – Mitarbeiter, die mit einem Problem nach dem anderen zum Inhaber kommen. Chef, kannst du das nicht machen, ich krieg's nicht hin. Das geschieht fast immer aus demselben Grund: Es ist nicht klar, wer für was verantwortlich ist. Wenn du ein Soll-Organigramm erstellst – nicht so, wie das Unternehmen heute ist, sondern so, wie es sein soll –, erkennst du auf einmal sehr deutlich, wo Verantwortlichkeiten fehlen. Wo keine Abteilung für Marketing vorgesehen ist, findet kein Marketing statt – und du wunderst dich, warum der Verkauf nicht vorankommt. Wo keine Zuständigkeit für Produktentwicklung definiert ist, findet keine Innovation statt. Das sind strukturelle Fehlerquellen, keine persönlichen.

Und dann gibt es noch etwas, das ich sehr direkt ansprechen möchte: Du bist nicht dein Unternehmen. Du bist ein Mensch, der eine Rolle ausfüllt. Wenn ein Unternehmen wirtschaftlich scheitert – was schmerzlich und schwer ist –, darf das nicht den Selbstwert des Unternehmers zerstören. Dein Wert liegt in deiner Einzigartigkeit, in deiner Einmaligkeit, darin, wo du ein Segen für andere sein kannst. Das Unternehmen hat sich deiner Berufung unterzuordnen – nicht umgekehrt. Wer das verinnerlicht hat, führt mit einer ganz anderen Gelassenheit. Und Gelassenheit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine Kultur, in der Fehler offen benannt, gemeinsam analysiert und nachhaltig behoben werden können.

 Typische Stolpersteine

Ein häufiger Fehler ist, wiederkehrende Fehler immer wieder zu besprechen, ohne die strukturelle Ursache anzugehen. Wenn die Zuständigkeit nicht klar ist, nützt die zehnte Ermahnung so viel wie die erste: nichts.

Ein zweiter Stolperstein ist, das Soll-Organigramm nach den aktuell verfügbaren Personen aufzubauen statt nach dem, was das Unternehmen eigentlich braucht. Das Soll-Organigramm ist ein Traumdokument. Es darf und soll größer sein als die heutige Realität.

 So setzt du es um

Schreibe heute drei Fehler oder Probleme auf, die in deinem Unternehmen immer wieder vorkommen. Und stelle dir dann ehrlich die Frage: Ist das ein menschliches Versagen – oder ein Systemfehler? In fast allen Fällen wirst du einen strukturellen Grund finden.
Erstelle ein Soll-Organigramm – nicht für heute, sondern für das Unternehmen, das du in fünf Jahren führen möchtest. Welche Abteilungen braucht es? Welche Positionen fehlen noch? Das ist dein Nordstern.
Vergleiche Ist-Zustand und Soll-Organigramm: Wo gibt es die größte Lücke? Genau dort entstehen mit größter Wahrscheinlichkeit die meisten wiederkehrenden Fehler. Welcher erste Schritt könnte diese Lücke schließen?
Stelle dir heute Abend in Ruhe – am besten nicht am Schreibtisch, sondern beim Spaziergang – die Frage: Ist mein Unternehmen gegenwärtig so aufgestellt, dass ich darin meine Berufung lebe? Und wenn nicht: Was müsste sich ändern?

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