Arbeite an deiner Berufung

Es gibt einen jungen Mann. Nett, keck, ein bisschen frech, weiß selbst noch nicht richtig, wer er ist. Er geht zur Schule, macht seinen Abschluss, lernt einen Beruf. Im Sportverein ist er aktiv. Sein Trainer kommt auf ihn zu: Hast du nicht Lust, die Jüngeren als Übungsleiter zu trainieren? Der junge Mann zögert. Das kann ich doch gar nicht. Der Trainer sagt: Kein Problem – ich helfe dir.

So wird aus dem Sportler ein Übungsleiter. Er lernt, mit Menschen umzugehen und Verantwortung zu tragen. Später macht er ein Studium. Dann ergreift er einen Beruf und wird Führungskraft. Irgendwann macht er sich selbstständig. Und schließlich gibt er die Erfahrungen, die er selbst gesammelt hat, in Seminaren an andere Führungskräfte weiter.

Siehst du den roten Faden? Von Berufung zu Berufung, von Plattform zu Plattform – bis zur größten Berufung. Er hatte nie darüber nachgedacht, Seminare für Führungskräfte zu geben. Aber jeder Schritt vorher hat ihn dafür vorbereitet.

Das ist ein Teil meiner eigenen Geschichte.

 Was steckt dahinter

Jede Berufung in einer Lebensphase ist eine Plattform für die nächste. Wer dort treu ist, wer dranbleibt, wer nicht aufgibt wenn es schwierig wird – der wird für die nächste Stufe reif. Das erfordert Treue, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, auch dann weiterzugehen, wenn der Gegenwind von vorn kommt.

Wichtig dabei: Nicht jede Berufung muss sofort zum Beruf werden, von dem du lebst. Ich selbst habe elf Jahre lang im Verband gedient – ohne je eine Rechnung zu schreiben, im Gegenteil. Aber diese Zeit hat mich als Persönlichkeit geformt, hat mir gezeigt, wie Veranstaltungen organisiert werden, wie man vor Menschen spricht, wie man einen Kongress leitet. All das war die unverzichtbare Vorbereitung für das, was heute mein Beruf und meine Berufung ist. Ich hätte das ohne diese Zeit davor nicht.

Es gibt in unserem Leben einen Point of no Return. Das klingt hart – ist aber eine Ermutigung, nicht nur eine Warnung. Denn es bedeutet: Der Weg, den du gerade gehst, ist nicht beliebig. Er formt dich. Er bereitet dich vor. Und wer ihn treu geht, kommt zu Türen, die heute schon offen stehen – auch wenn er sie noch nicht sieht.

Deshalb: Weiche nicht ab. Lass dich nicht vom negativen Gerede derer abbremsen, die kein Mandat haben, in dein Leben hineinzusprechen.

 Typische Stolpersteine

Ein häufiger Fehler ist, ungeduldig zu sein – zu erwarten, dass die Berufung sofort vollständig sichtbar ist und sofort Früchte trägt. Berufung wächst. Sie braucht Treue in den kleinen Dingen, bevor die großen sichtbar werden.

Ein zweiter Stolperstein ist, auf Menschen zu hören, die kein Mandat haben. Im Fußball entscheidet der Schiedsrichter – nicht die Tausenden auf den Tribünen. Und in deinem Leben entscheidest du, wem du das Mandat gibst, dir Feedback zu geben. Die Meinung derer, denen du dieses Mandat nicht gegeben hast, darf dich nicht berühren.

 So setzt du es um

Schau heute auf deinen Lebensweg zurück: Welche Stationen haben dich vorbereitet – ohne dass du es damals wusstest? Erkennst du den roten Faden, der sich durch alle Phasen zieht?
Identifiziere den Bereich, in dem du gerade beruflich oder ehrenamtlich stehst. Und frage dich: Wie investiere ich mich hier wirklich? Gebe ich meine volle Energie – oder halte ich einen Teil zurück, weil dieser Platz in meinen Augen noch nicht groß genug ist?
Prüfe, wen du in deinem Leben das Mandat gegeben hast, dir Feedback zu geben – und wem nicht. Und wenn das nächste Mal jemand ohne dieses Mandat kritisch über deine Berufung spricht: Erinnere dich an den Schiedsrichter und die Zuschauer im Stadion.
Entscheide heute: Welchen nächsten Schritt machst du konkret in dieser Woche, um an deiner Berufung zu arbeiten – nicht irgendwann, nicht wenn die Umstände besser sind, sondern jetzt?

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