Rede mit anderen über deine Berufung

Ich war 19 Jahre alt, als mir ein Bekannter ein Buch zu lesen gab. Er hatte eine große Bibliothek – er war Arzt. Das Buch hieß: Mein Leben und mein Werk, geschrieben von Henry Ford. Zu DDR-Zeiten war ich in der Volksbildung tätig, bildete Lehrlinge im Maschinenbau aus. Das war meine Welt. Ich glaubte, angekommen zu sein.

Als ich dieses Buch las, ging in meinem Herzen etwas auf, was ich nicht kannte. Ich nahm ein Heft und schrieb mit – über Lagerhaltung, Lohngefüge, Führung, das Aufbauen von etwas aus dem Nichts. Dieses kleine blaue Heft habe ich heute noch im Bücherregal. Die Wahrheit über mich ist: In mir hat schon ein Unternehmer gelebt – ich habe es nur nicht gewusst.

Das Buch war für mich ein Berufungsgeburtshelfer. Denn wir brauchen manchmal andere – ein Buch, einen Menschen, ein Gespräch – um das zu erkennen, was bereits in uns angelegt ist.

 Was steckt dahinter

Wir sind oft sehr begrenzt in unserer eigenen Wahrnehmung von dem, was wir gut können. Noch begrenzter sind wir in unserer Vorstellung davon, wie groß das sein könnte, was in uns steckt. Deshalb brauchen wir Berufungsgeburtshelfer. Menschen, die einen Blick haben für das Wundervolle, das in uns angelegt ist – manchmal klarer als wir selbst.

Meine Empfehlung ist konkret: Suche dir bewusst Mentoren. Menschen, die schon dort sind, wo du hinmöchtest. Die ein Herz für dich haben. Und lade diese Menschen ein – nicht in die Firma, sondern in ein gutes Restaurant. Ein wertiger Rahmen zeigt, dass du das ernst nimmst. Ich ermutige dich auch, Menschen anzusprechen, die dir weit überlegen erscheinen. Bekannte aus großen Unternehmen, Vorsitzende von Verbänden. Die meisten haben ein großes Herz für diejenigen, die ehrlich Fragen des Lebens an sie stellen – weil sie selbst solche Begleiter hatten.

John Maxwell, der amerikanische Autor und Redner, dessen Bücher über 16 Millionen Mal verkauft wurden, sagt: Wenn du dein Warum findest, findest du auch deinen Weg. Und dieses Warum findest du nicht allein im stillen Kämmerlein. Du findest es auch im Gespräch – mit Menschen, die dir ehrlich spiegeln, was sie in dir sehen.

 Typische Stolpersteine

Ein häufiger Fehler ist, über die eigene Berufung nie zu sprechen, weil man sich unsicher fühlt. Die Unsicherheit ist aber genau der Grund, warum das Gespräch wichtig ist – nicht ein Grund, es aufzuschieben.

Ein zweiter Stolperstein ist, sich aus falschem Respekt nicht zu trauen, große Namen anzusprechen. Gerade Menschen, die weit gekommen sind, erinnern sich meist daran, wer ihnen geholfen hat – und geben das gern weiter.

 So setzt du es um

Wer ist in deinem Leben ein Mensch, der schon dort ist, wo du hinmöchtest? Schreibe seinen Namen auf. Und dann tue den einen Schritt, den du immer wieder aufgeschoben hast: schreibe ihm, ruf ihn an und bitte um ein Gespräch.
Lade diese Person in einen würdigen Rahmen ein – nicht in die Firma, sondern in ein Gespräch beim Essen. Komm vorbereitet mit echten Fragen aus deinem Leben, nicht mit Smalltalk.
Erzähle in dieser Woche einem Menschen, dem du vertraust, was du glaubst, dass deine Berufung ist. So vage sie dir auch erscheinen mag. Das Aussprechen bringt Klarheit – mehr als jedes stille Nachdenken allein.
Frage einen Menschen, der dich gut kennt, eine direkte Frage: Was siehst du in mir, das du für meine eigentliche Stärke hältst? Höre aufmerksam zu, ohne sofort zu widersprechen.

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