Es gibt eine Dimension von Arbeit, die von den wenigsten wirklich wahrgenommen wird – und die mir sehr am Herzen liegt. Arbeit hat an sich etwas Göttliches. Ich meine das wörtlich. Was wir beim Arbeiten tun, ist Folgendes: Wir transferieren mit unseren Gedanken, Vorstellungen und Visionen etwas in die sichtbare Realität hinein. Etwas, das vorher nur in unserem Geist vorhanden war, kommt durch unsere Hände in die Welt. Stell dir eine Gastgeberin vor, die einen Mädchenabend plant. Sie sieht in ihrem Geist schon die Schwarzwälder Kirschtorte – fertig, herrlich anzusehen – bevor sie einen einzigen Schritt in die Küche gemacht hat. Dann kauft sie ein, backt, stellt sie auf den Tisch. Was war das? Sie hat etwas aus ihrer Vorstellung, aus ihrem Inneren, in die sichtbare Welt transferiert. Das ist dasselbe, was ich mache, wenn ich auf der Autobahn unterwegs bin, auf dem Weg zu einem Kunden, und im Kopf schon das nächste Messgerät konstruiere. Wenn ich abends zurückkomme und die Idee schon fertig ist – am nächsten Morgen geht es ins CAD-Programm, dann zu den Mitarbeitern, dann ist das Gerät da. Was in Gedanken war, ist jetzt real. Das ist die göttliche Dimension unserer Arbeit.
Eine zweite Wahrheit, die ich immer wieder betonen muss: Du bist nicht deine Leistung. Dein Wert als Mensch ist nicht identisch mit dem, was deine Bilanz zeigt oder was in deiner BWA steht. Das wäre ja auch absurd – als wärst du nichts wert, wenn du mal krank bist und nicht leisten kannst. Viele Unternehmer bauen genau auf dieser Gleichsetzung auf: Ich arbeite viel, also bin ich wertvoll. Das ist der direkteste Weg in den Workaholic-Modus – und in eine Kultur, die nach außen hin glänzt, aber innen hohl ist.
Wie ist Wirtschaft ursprünglich gedacht? Der Bauer baut Getreide an, gibt es dem Müller, der macht Mehl daraus, der Bäcker backt Brot. Ich fertige Messgeräte, die in Anlagen eingebaut werden, die dort Sicherheitsstandards und Qualitätsstandards überwachen. Ich bin froh, dass ich in der Bäckerei mit Geld Brot kaufen kann, ohne es selbst backen zu müssen. Das ist Wirtschaft. Einander Probleme lösen, einander dienen. Erst kommt das Dienen, dann das Verdienen. Das ist die Reihenfolge. Und die umzudrehen – nur auf das Verdienen zu fokussieren, ohne diesen Dienst-Gedanken zu leben – zieht uns aus genau dem heraus, was Arbeit überhaupt erst sinnhaft macht.