Gehe auf Entdeckungsreise

Wenn man mit Unternehmern spricht und fragt, welche Visionen sie für die Zukunft haben, bekommt man selten eine klare Antwort. Meistens ist da ein Stammeln: Ja, ich muss halt das tun, was meine Aufgabe ist. Ich muss die Aufträge abarbeiten. Manche schauen Richtung Rente.

Das finde ich ein vorgezogenes Sterben.

Das Bild der Zukunft ist bei den meisten im Herzen verschüttet. Nicht weil es nicht vorhanden ist – es ist vorhanden, König Salomo sagt das klar: Das Vorhaben im Herzen eines Mannes ist wie ein tiefes Wasser. Es ist da. Es wartet. Nur hat es sich noch niemand die Zeit genommen, daraus zu schöpfen.

 Was steckt dahinter

Ich mache seit Jahren Visionstage – meistens ein bis zwei Tage, wenn ich ohnehin im Außendienst bei Kunden unterwegs bin. Ein schönes Hotel, Sauna, ein Wald in der Nähe. Kein Handy außer bei echten Notfällen. Ich komme an, setze mich an den Kamin, trinke etwas, lasse erst einmal die Seele baumeln. Das ist der erste und wichtigste Schritt: Herunterfahren.

Dann mache ich eine ehrliche Bestandsaufnahme. Was wurde erreicht? Was ist offengeblieben? Was ist gut gelaufen, was schiefgelaufen? Was kam überraschend dazu? Ich schreibe das auf – damit es aus dem Kopf heraus ist und nicht verloren geht. Dann, meistens am nächsten Tag, nehme ich ein bis zwei konkrete Themen: Firmenentwicklung der nächsten Jahre, neue Produkte, Marketing, Organisation – und gehe damit wandern. Ich spreche meine Gedanken ins Telefon, damit kein Einfall verloren geht.

Das Werkzeug, das mir dabei am meisten hilft, ist die Rotweinfrage. Die habe ich selbst entwickelt. Rotwein ist dabei Nebensache – es geht um die Haltung: entspannt im Sessel sitzen, etwas Schönes trinken, den Moment genießen. Und dann diese eine Frage stellen: Was will ich wirklich? Wovon träume ich? Was ist in meinem Herzen, das ich gern in Existenz hätte?
Wenn der erste Gedanke auftaucht, kommen sofort die Krieger. Der eine sagt: Das kannst du nicht. Der nächste: Das funktioniert nie. Der übernächste: Dafür hast du das Geld nicht. Alle zur Seite schieben. Das ist nicht das Thema.
Das Thema ist: Was ist in deinem Herzen?

 Typische Stolpersteine

Ein häufiger Fehler ist der Gedanke, dass ein Unternehmer sich keine Zeit nehmen kann, sich für Stunden oder Tage zurückzuziehen, während die Mitarbeiter arbeiten. Das ist ein Denkfehler. Es ist eine A-Aufgabe des Unternehmers, nach vorn zu blicken. Der Kapitän geht auf die Brücke mit dem Fernglas – er kann das nicht im Maschinenraum tun.

Ein zweiter Stolperstein ist, beim ersten auftauchenden Gedanken sofort zu prüfen, ob er machbar, finanzierbar und realistisch ist. Diese Prüfung kommt später. Erst muss das Bild im Herzen entstehen dürfen – vollständig und unzensiert.

 So setzt du es um

Plane in den nächsten vier Wochen deinen ersten bewussten Visionstag ein. Nicht in der Firma, nicht zu Hause – an einem ruhigen Ort, der dir guttut. Buche ihn heute. Er ist so wichtig wie dein wichtigster Kundentermin.
Stelle dir heute Abend die Rotweinfrage – ob mit Rotwein, Tee oder Wasser ist egal. Setze dich hin, genieße einen Moment und frage dich: Was will ich wirklich? Wovon träume ich für mein Unternehmen in fünf Jahren? Schreibe auf, was kommt – ohne Bewertung.
Wenn der Visions-Krieger kommt und sagt: Das geht nicht oder dafür fehlt das Geld. Höre nicht auf ihn, dass dich nicht beirren.
Teile das Ergebnis deines nächsten Visionstages mit deinem Ehepartner oder einem engen Vertrauten. Was du aussprichst, bekommt eine Verbindlichkeit, die stille Gedanken nicht haben.

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