Lege überschaubare Teilziele fest

Wer auf einen Achttausender geht, macht das nicht an einem Tag. Bergsteiger gehen von Lager zu Lager – Wegstrecke für Wegstrecke – bis sie den Gipfel erklimmen. Und in genau derselben Weise funktioniert es im Unternehmertum.

Als mein Ziel feststand – Hersteller von elektronischen Druckmessgeräten zu werden – war mir klar: Das werde ich nicht in kurzer Zeit erreichen. Mechanische Messgeräte fertige ich seit Jahren. Aber Elektronik? Das ist eine andere Welt. Ich brauchte also Teilziele.

Das Große auf Überschaubares herunterbrechen. Nicht weil das Große aufgegeben wird – sondern weil es erst dann erreichbar wird.

 Was steckt dahinter

Mein erstes Teilziel war klar: Einen einfachen Drucksensor fertigen. Nicht den komplexesten, nicht den teuersten, nicht den ausgeklügeltsten. Einen, der von vielen Kunden gebraucht wird, modular aufgebaut ist, gängige Materialien und Ausgangssignale verwendet. Ein sogenanntes Wald-und-Wiesen-Gerät – einfach, robust, so wie es der Markt kennt. Das war Teilziel Nummer eins. Dann folgte Teilziel Nummer zwei: aufwendigere Geräte, mehr Spezialisierung, mehr Möglichkeiten. Und von Teilziel zu Teilziel.

Was mich in diesem Prozess mehrfach überrascht hat, ist Folgendes: Wenn du deine Grenzen überschreitest und in neue Bereiche deiner Branche hineingehst, öffnen sich Türen, von denen du nicht wusstest, dass es sie gibt. Heute liefern wir elektronische Drucksensoren in die LKW-Fertigung, in die Pharmaindustrie für Dialysefilter und an Talsperren zur Überwachung von Trinkwasserfiltern. Nichts davon war in meinem ursprünglichen Blickfeld. Diese Möglichkeiten haben sich erst gezeigt, als wir auf dem Weg waren.

Die Grundvoraussetzung für all das ist ein hartnäckiges Dranbleiben. Nicht Talent. Nicht ideale Ausgangsbedingungen. Nicht ein perfektes Konzept von Anfang an. Dranbleiben. Von Teilziel zu Teilziel. Schritt für Schritt auf das große Ziel zu.

 Typische Stolpersteine

Ein häufiger Fehler ist, das große Ziel direkt angehen zu wollen und sich dann von seiner Größe erschlagen zu fühlen. Das erste Teilziel muss überschaubar sein – klein genug, dass man es konkret angehen kann, und groß genug, dass es wirklich etwas bedeutet.

Ein zweiter Stolperstein ist aufzugeben, wenn ein Teilziel schwieriger wird als erwartet. Ich habe das bei den Messgeräten selbst erlebt: Die wirklichen Schwierigkeiten kommen fast nie dort, wo ich sie erwartet hatte. Sie kommen an Stellen, die vorher unsichtbar waren. Das ist normal – nicht ein Zeichen, falsch zu liegen.

 So setzt du es um

Nimm das große Ziel, das du im letzten Schritt festgelegt hast, und zerlege es heute in mindestens zwei bis drei überschaubare Teilziele. Schreibe diese auf – nacheinander, so dass eines auf das andere aufbaut.
Stelle dir die Frage: Was ist das erste Teilziel, das ich konkret angehen kann? Nicht das spannendste, nicht das komplexeste – sondern das erste, das mir einen Einstieg gibt und aus dem ich etwas lernen kann.
Prüfe, ob dein erstes Teilziel modular gedacht ist: Kannst du auf diesem ersten Schritt aufbauen? Oder ist es ein Sackgassen-Schritt, der keine Weiterentwicklung ermöglicht?
Erinnere dich in den nächsten Wochen aktiv an die Bergsteiger-Metapher: Es geht von Lager zu Lager. Nicht vom Basislager auf den Gipfel. Jedes Teilziel ist ein Lager, von dem aus du weiterschauen kannst.

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